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Urlauberstudie 2008

Datum: 23.09.2008

Nur noch 18 Prozent nutzen ein Reisebüro –
Hohe Energiekosten drücken auf die Reisestimmung der Deutschen



Trier. Die Deutschen nehmen die Organisation ihrer Sommerferienreise immer stärker in die eigene Hand: Drei Viertel organisierten ihren diesjährigen Urlaub selbst, also ohne Reisebüro oder Tourist-Information. 2007 waren es noch zwei Drittel der Reisenden. Diese Ergebnisse hat eine repräsentative Umfrage des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) geliefert, die gut 2000 Telefoninterviews umfasst. Danach griffen nur noch 18 Prozent der Sommerurlauber auf die Unterstützung eines Reisebüros zurück. Mittlerweile 65,1 Prozent der Deutschen (Vorjahr: 60,5 Prozent) nutzen das Internet für ihre Reiseplanung, so die ETI-Umfrage. Bereits in den letzten fünf Jahren war die Bedeutung des World Wide Web für die Reiseplanung kontinuierlich gewachsen. Ein weiterer Anstieg in der Nutzung des Internets ist vor allem bei älteren Reisenden festzustellen. Nutzte 2007 nur jeder Vierte ab einem Alter von über 64 Jahren das Internet zur Reisevorbereitung, ist es 2008 schon jeder Dritte. Das Durchschnittsalter der Nutzer stieg leicht von 40 auf 41 Jahre.

In diesem Jahr - so die Untersuchung - sind mit 43,5 Prozent deutlich weniger Deutsche in die Sommerferien gefahren als 2007. Der Rückgang betrug 4,4 Prozentpunkte. Wie die ETI-Studie außerdem zeigte, beeinflussten die gestiegenen Energiekosten bei 20 Prozent der Befragten die Reiseplanung. „Von denen, die im Sommer 2008 gar keine Reise unternommen haben, gaben 16 Prozent die höheren Energiekosten als Grund an“, teilte Prof. Heinz-Dieter Quack, der Leiter des ETI, mit.

Besonders betroffen zeigte sich die Altersgruppe zwischen 25 und 44 Jahren. „Fast 45 Prozent dieser Menschen haben ein näheres Reiseziel gewählt und zum Beispiel häufig auch Urlaub in Deutschland gemacht“, berichtete der Tourismusprofessor. Fast jeder fünfte deutsche Urlauber habe wegen seines Sommerurlaubs auf die Anschaffung anderer Güter verzichtet, so die ETI-Studie weiter. Fast jeder Zweite gab an, er habe für die Sommerferien mehr bezahlt als im Vorjahr. Im Durchschnitt antworteten die Befragten, der Reisepreis habe 16 Prozent über ihrer ursprünglichen Planung gelegen.

Urlaub in Deutschland immer beliebter

Mehr Deutsche denn je entschieden sich laut ETI-Sommerbefragung 2008 für einen Urlaub im eigenen Land. Waren es 2007 noch 32,2 Prozent der Befragten, bevorzugten in diesem Jahr 37,2 Prozent ein innerdeutsches Reiseziel. Weit abgeschlagen folgte auf Platz zwei Italien mit 7,9 Prozent der deutschen Urlaubsreisenden.

Spanien nicht mehr im Spitzentrio

Überraschend verdrängte Österreich (6,6 Prozent) den Favoriten Spanien (6,3 Prozent) vom dritten auf den vierten Platz. Verluste mussten auch Frankreich (5,3 Prozent, Platz fünf) und Kroatien (2,9 Prozent, Platz sechs) hinnehmen. Polen behielt mit 2,8 Prozent (Platz sieben) seinen Marktanteil. Auf Platz acht kam die Türkei (2,7 Prozent), auf Platz neun die Niederlande (2,4 Prozent) und Rang zehn belegte Griechenland (2,1 Prozent). Insgesamt blieben die Deutschen am liebsten auf ihrem Kontinent: 92,2 Prozent aller Reisen fanden innerhalb Europas statt, nur 7,8 Prozent der Befragten unternahmen Fernreisen.

Inlandsurlaub: Bayern schlägt Mecklenburg-Vorpommern

Im Inland zog Bayern mit 21,7 Prozent die meisten deutschen Sommerurlauber an. Der Spitzenreiter der letzten drei Jahre, Mecklenburg-Vorpommern, fiel mit nur noch 19,5 Prozent auf Platz zwei zurück. Leichter Gewinner in der Urlaubergunst war Schleswig-Holstein (16,4 Prozent, Platz drei). Niedersachsen kam mit 12,7 Prozent der deutschen Inlandsreisen auf Platz vier. Baden-Württemberg legte – ähnlich wie Bayern – um rund fünf Prozentpunkte zu (10,9 Prozent) und landete auf Platz fünf. 

Mehr kürzere Reisen unternommen

Im Durchschnitt blieben die Deutschen wie im vergangenen Jahr 12,6 Tage lang in den Sommerferien. Der Anteil der fünf- bis siebentätigen Urlaube stieg mit 29,4 Prozent auf einen neuen Höchstwert. Ein- bis zweiwöchige Reisen gingen auf 45,7 Prozent zurück. Hingegen konnten zwei- bis dreiwöchige Urlaube sowie längere Reisen zwischen 22 und 40 Tagen leicht zulegen.

Klimawandel lässt Urlauber kalt

Die Diskussion um den Klimawandel zeigte auch in diesem Jahr praktisch keine Auswirkungen auf das Urlaubsverhalten der Deutschen. Erneut nur rund zehn Prozent der Befragten erklärten, sie hätten ihr Verhalten mit Blick auf die Klimafolgen geändert. Diese verzichteten dann auf Flugreisen und wählten ein näheres Reiseziel, so die Trierer Tourismusstudie. Der Anteil der Flugreisen sank 2008 um vier Prozentpunkte, der Urlaub mit dem PKW legte dagegen um sechs Prozentpunkte zu.



Weiter hoch im Kurs: Sommer, Sonne, Sand und Meer

Immer noch sind Strand-, Bade- und Sonnenferien die wichtigste Urlaubsform im Sommer für die Deutschen, gefolgt von Familien-und Aktiv-Urlaub. Fast 90 Prozent der Deutschen bewerteten ihren Sommerurlaub 2008 mit den Schulnoten gut (53 Prozent) und sehr gut (37 Prozent). Als Durchschnittsnote ergab sich eine1,8.

Deutlich mehr kurzfristige Buchungen

Noch mehr Menschen als im letzten Jahr entschieden sich kurzfristig erst im Juli für ihren Sommerurlaub (14,2 Prozent gegenüber 13,1 im Vorjahr), an zweiter Stelle steht aber die längerfristigere Planung im Januar des Befragungsjahres. Tatsächlich gebucht wurde vor allem im Juni und Juli. Auf beide Monate entfiel ein Buchungsanteil von allein 30 Prozent (Vorjahr; 24,5 Prozent).




Ansprechpartner:

Europäisches Tourismus Institut GmbH

 

Dipl.-Volksw. Andreas Lorenz

Dipl.-Kfm. Cornelius Obier